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Grönlands Eismassen schmelzen immer schneller

Geodäten der Technischen Universität München werten Schwerefeld-Satellitendaten für internationale Studie aus.


Die Eismassen Grönlands schrumpfen merklich. Insbesondere von den großen Gletschersystemen der Ost- und Westküste schmelzen aktuell pro Jahr ca. 250 Milliarden Tonnen ab und fließen in die Ozeane, was in etwa der fünffachen Wassermenge des Bodensees entspricht. 

Im Rahmen einer internationalen Studie, an der 50 Wissenschaftseinrichtungen weltweit beteiligt waren, wurden dazu Daten von elf verschiedenen Satellitenmissionen der letzten 30 Jahre ausgewertet. Dabei wurden drei unterschiedliche Methoden, die auf unabhängigen Datengruppen basieren, angewendet. Die Tatsache, dass alle Methoden gut übereinstimmende Ergebnisse erzielten, gibt diesen besonders hohe Zuverlässigkeit.

Wissenschaftler des Lehrstuhls für Astronomische und Physikalische Geodäsie der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der Technischen Universität München werteten dafür die Daten der Satellitenmission GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment) aus den Jahren 2003 bis 2016 aus. In kleinsten Veränderung der Schwerkraft spiegeln sich Massenveränderungen wider, die unter anderem durch das Abschmelzen von Eis verursacht werden.

Die nun in "Nature" veröffentlichten Ergebnisse zeichnen das bisher umfassendste Bild des grönländischen Eisverlusts. Demnach hat Grönland seit 1992 3,8 Billionen Tonnen Eis verloren. Dabei ist der jährliche Eisschwund von etwa 30 Milliarden Tonnen pro Jahr in den 1990er Jahren auf zuletzt 250 Milliarden Tonnen pro Jahr gestiegen. Dieser Abfluss trägt mit 0,7 Millimeter/Jahr zu mehr als 20% des globalen Meeresspiegelanstiegs bei. Insgesamt hat der Eismassenverlust in Grönland seit 1990 den globalen Meeresspiegel um 10,6 Millimeter erhöht, und es ist vorauszusehen, dass sich der relative Beitrag Grönlands in Zukunft noch erhöhen wird.

Diese Ergebnisse bilden einen wichtigen geodätischen Beitrag für den nächsten Weltklimareport.

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